Technologien in Fahrzeugen sind selten isolierte Features. In der Realität sind es Systemketten: Sensorik, Steuergeräte, Software-Logik, Aktorik und eine Architektur, die bestimmt, wie schnell und sicher Daten fließen. Genau deshalb kann derselbe Begriff je nach Hersteller völlig unterschiedliche Fahrerlebnisse erzeugen. Ein gutes Glossar benennt nicht nur den Namen, sondern auch den Mechanismus und die Grenzen.
Die folgenden Begriffe sind so gewählt, dass sie sowohl im Alltag als auch in der Automotive-Industrie relevant sind: von klassischen Antriebs- und Getriebeprinzipien bis zu modernen Themen wie OTA, zonaler E/E-Architektur, ADAS-Sensorfusion und EV-Ladetechnik. Wenn du die Seite später datengetrieben erweitern willst, lässt sich jeder Eintrag als Objekt modellieren: Synonyme, Hersteller-Labels, Modell-Zuordnungen, Generationen, typische Failure Modes und Verlinkungen zu Artikeln.
ADAS Advanced Driver Assistance Systems
ADAS bezeichnet Fahrerassistenzsysteme, die beim Beschleunigen, Bremsen, Lenken oder bei der Wahrnehmung des Umfelds unterstützen. Technisch besteht ADAS aus Sensorik (Radar, Kamera, Ultraschall, teils LiDAR), Fusionslogik, einer Entscheidungsebene (z.B. Objektklassifikation, Trajektorienplanung) und der Aktorik (ESP, Bremse, Lenkung). Wichtig ist die Einordnung: ADAS ist kein Autonomie-Level an sich, sondern ein Baukasten, aus dem Autonomie-Funktionen entstehen können.
- Typische Funktionen: ACC, Spurhalten, Notbremsassistent, Totwinkel, Querverkehr, Parken.
- Wichtige Grenze: Der Funktionsumfang hängt stark von Sensor-Set, Softwarestand und rechtlichen Rahmenbedingungen ab.
Brake-by-Wire BBW
Brake-by-Wire ersetzt eine rein hydraulische Bremsbetätigung teilweise oder vollständig durch ein elektronisch geregeltes System. Der Pedalweg wird sensorisch erfasst, die Bremskraft wird über Aktoren aufgebaut und mit Rekuperation (bei EV/Hybrid) koordiniert. Der Vorteil liegt in schnellerer Regelbarkeit, konstanter Pedalcharakteristik und der effizienten Verteilung zwischen mechanischer Bremse und Generatorbremse. Der kritische Punkt ist die Ausfallsicherheit: BBW erfordert Redundanzen (Strom, Signalwege, Fallback-Logik), damit die Bremsfunktion jederzeit gewährleistet bleibt.
DSG / DCT Doppelkupplungsgetriebe
Ein Doppelkupplungsgetriebe nutzt zwei Kupplungen für zwei Teilgetriebe (ungerade/gerade Gänge). Dadurch kann der nächste Gang bereits vorgewählt werden, und der Gangwechsel erfolgt sehr schnell. In der Praxis unterscheiden sich Systeme stark: nass (bessere thermische Belastbarkeit) vs trocken (effizienter, aber thermisch sensibler), sowie die Abstimmung von Schaltlogik und Kupplungsdruck. Für Nutzer ist entscheidend, ob das Getriebe im Alltag sanft anfährt, wie es im Stop-and-Go reagiert und wie stabil es bei hoher Last schaltet.
- Stärken: schnelle Schaltzeiten, Effizienz, sportliches Fahrgefühl.
- Schwachstellen (typisch): thermische Belastung, Mechatronik-Komplexität, Anfahrkomfort in bestimmten Abstimmungen.
E/E-Architektur Elektrik/Elektronik
Die E/E-Architektur beschreibt, wie Steuergeräte, Sensoren, Bussysteme und Stromnetze im Fahrzeug strukturiert sind. Klassisch ist die Architektur domänenbasiert (Infotainment, ADAS, Body, Powertrain), modern zunehmend zonal: wenige leistungsfähige Rechner, kurze Leitungswege, zonale Controller und eine zentrale Software-Schicht. Für die Nutzerseite ist E/E relevant, weil sie OTA-Updates, Feature-Freischaltungen, Diagnosefähigkeit und langfristige Wartbarkeit beeinflusst.
48V Mild-Hybrid MHEV
Ein 48V-System ergänzt das 12V-Bordnetz und ermöglicht leistungsfähigere Starter-Generatoren sowie elektrische Nebenaggregate. Typische Effekte sind: schnelleres Start-Stopp, Rekuperation, elektrische Unterstützung beim Anfahren und das temporäre Entkoppeln des Verbrenners (Segeln). Wichtig: Ein Mild-Hybrid fährt meist nicht lange rein elektrisch, sondern optimiert Übergänge und Lastpunkte des Verbrenners. Für die Bewertung zählt, ob die Integration unauffällig ist und ob das System in realen Fahrprofilen tatsächlich Verbrauch senkt.
Infotainment / HMI Human-Machine Interface
HMI umfasst Bedienlogik, Anzeigen, Sprache, Touch/Controller und die gesamte Informationsarchitektur im Fahrzeug. In der Autoindustrie ist HMI nicht nur Designfrage, sondern Sicherheits- und Architekturthema: Latenz, Systemstart, Fokusmanagement, Ablenkungsminimierung und die Integration von Assistenzsystemen entscheiden, ob ein System als intuitiv oder als anstrengend wahrgenommen wird. Hersteller-Ökosysteme (MMI, MBUX, iDrive) unterscheiden sich oft in Informationshierarchie, Shortcut-Konzept und Update-Strategie.
LiDAR Light Detection and Ranging
LiDAR misst Entfernungen über Laserimpulse und erzeugt eine präzise 3D-Punktwolke. Im Automotive-Kontext ist der Nutzen besonders dort hoch, wo zuverlässige Tiefeninformation benötigt wird (z.B. bei komplexen Szenen, schlechten Lichtbedingungen oder bei der robusten Objektkonturierung). Ob LiDAR tatsächlich einen spürbaren Vorteil bringt, hängt von Sensorfusion, Wettertoleranz, Reinigungs- und Heizkonzept sowie Software ab.
Matrix LED / Pixel-Licht Adaptive Lichtsysteme
Matrix-Licht teilt den Fernlichtkegel in viele einzeln ansteuerbare Segmente und blendet andere Verkehrsteilnehmer gezielt aus, ohne den gesamten Fernlichtmodus zu deaktivieren. Je höher die Segmentauflösung (Pixel-Licht, Mikrospiegel, digitale Systeme), desto präziser sind Ausblendungen und Projektionen. Für Nutzer spürbar ist die Qualität vor allem durch: Stabilität der Ausblendung, Reaktionszeit, Blendfreiheit, Reichweite und die Fähigkeit, Kontraste bei Nässe und Dunkelheit zu verbessern.
OTA Updates Over-the-Air
OTA bedeutet, dass Fahrzeugsoftware über Mobilfunk oder WLAN aktualisiert werden kann, ohne Werkstattbesuch. Entscheidend ist nicht nur das Update an sich, sondern die Architektur dahinter: Paketierung, Signierung, Rollback, Delta-Updates, sowie die Trennung zwischen sicherheitskritischen Domänen und Komfortfunktionen. Gute OTA-Strategien erhöhen die Produktlebensdauer, verbessern Bugs, bringen Feature-Erweiterungen und können die Fahrzeugqualität im Feld messbar steigern. Schlechte OTA-Implementierungen führen dagegen zu langen Downtimes, inkonsistenten Ständen oder Vertrauensverlust.
Torque Vectoring Aktive Momentenverteilung
Torque Vectoring verteilt Antriebsmoment gezielt zwischen Rädern oder Achsen, um Einlenkverhalten, Traktion und Stabilität zu verbessern. Technisch erfolgt das über aktive Differenziale, Kupplungspakete, E-Motoren pro Achse oder Bremseneingriffe. Der subjektive Effekt ist ein neutraleres Kurvenverhalten und bessere Traktion am Kurvenausgang. Die Qualität hängt stark von Regelgeschwindigkeit, Sensorik (Lenkwinkel, Gier, Schlupf) und der Abstimmung in Fahrmodi ab.
quattro / AWD-Systeme Allradantrieb
AWD ist nicht gleich AWD. Hersteller nutzen unterschiedliche Konzepte: permanent, hang-on (kupplungsbasiert), torque-vectoring-fähige Systeme oder e-AWD mit E-Motor(en). Für die Nutzerseite sind drei Fragen zentral: Wie schnell reagiert das System, wie verhält es sich in Grenzsituationen, und wie wirkt es sich auf Gewicht, Verbrauch und Wartung aus. Markenbegriffe wie quattro oder xDrive sind Labels, hinter denen je nach Baureihe und Generation unterschiedliche Hardware stecken kann.
Sensorfusion Kamera + Radar + LiDAR
Sensorfusion kombiniert verschiedene Sensortypen, um Stärken zu addieren und Schwächen zu kompensieren. Kameras liefern semantische Informationen (Spurmarkierungen, Schilder), Radar liefert robuste Distanz-/Geschwindigkeitsmessung, LiDAR liefert präzise 3D-Geometrie. Das Ziel ist ein stabiler Umweltzustand, der auch bei Regen, Gegenlicht oder komplexen Szenen zuverlässig bleibt. In der Praxis entscheidet die Software: Kalibrierung, Zeitstempel, Filter, Objekttracking und Plausibilisierung.
Thermomanagement EV & Performance
Thermomanagement ist die Steuerung von Temperaturen in Batterie, Leistungselektronik, Motor(en), Getriebe, Bremsen und Innenraum. Im EV-Kontext beeinflusst es Ladeleistung, Reichweite, Degradation und Dauerleistung. Im Performance-Kontext beeinflusst es Wiederholbarkeit von Beschleunigungs- oder Rundenzeiten. Gute Systeme nutzen Wärmepumpen, Ventil-Netzwerke, Batterie-Vorkonditionierung und intelligente Strategie, die nicht nur Peak-Werte, sondern Stabilität über Zeit optimiert.
Ultraschall-Sensoren Parken & Nahfeld
Ultraschall ist im Nahfeld (Parken, Rangieren) verbreitet und liefert Distanzinformationen bei niedrigen Geschwindigkeiten. Die Grenzen liegen in Reichweite, Winkelauflösung und Störanfälligkeit durch bestimmte Oberflächen. Moderne Systeme kombinieren Ultraschall zunehmend mit Kamera- oder Radar-Nahfeld, um robuste 360°-Umfelderkennung zu erreichen.
800V Plattform Hochvolt-Architektur
800V reduziert bei gleicher Leistung den Strom und damit Leitungsverluste sowie Wärmeentwicklung. Das ermöglicht hohe Ladeleistungen, bessere Dauerleistung und potenziell kompaktere Kabelquerschnitte. Entscheidend ist: 800V allein garantiert keine Ladeperformance. Ladeverhalten hängt von Zellchemie, Thermomanagement, Ladefenster, DC-Lade-Strategie und Infrastruktur-Kompatibilität ab. Ein gutes System ist so ausgelegt, dass es auch bei wiederholten Schnellladungen stabil bleibt und realistisch kurze Reisezeiten ermöglicht.
WLTP Verbrauch & Emissionen
WLTP ist ein standardisiertes Messverfahren, das Verbrauch und Emissionen vergleichbarer machen soll. Für Automobilisto ist WLTP relevant, weil es die Referenz ist, auf die sich Datenblätter und Konfiguratoren stützen. Für Nutzer wichtig: WLTP ist ein Benchmark, aber nicht die Wahrheit des individuellen Fahrprofils. Temperatur, Geschwindigkeit, Topografie, Reifen, Beladung und Fahrstil verschieben reale Werte deutlich.
xDrive BMW AWD Label
xDrive ist die BMW-Bezeichnung für AWD-Systeme. Hinter dem Label können verschiedene Hardwarevarianten stehen: klassische Mittendifferenzial-/Kupplungskonzepte, modellabhängige Momentenverteilung und in EV-Plattformen auch e-AWD. Für eine korrekte Einordnung ist wichtig, Baureihe und Generation zu kennen. Genau deshalb ist die Marken-/Modellfilterung auf dieser Seite ein Kernfeature: Sie sorgt dafür, dass Definitionen nicht zu generisch bleiben.
Zonale Architektur Zonal E/E
Zonal bedeutet: Das Fahrzeug wird in Zonen aufgeteilt (Front links, Front rechts, etc.), in denen ein zonaler Controller Sensoren/Aktoren anbindet. Statt vieler einzelner Steuergeräte gibt es wenige leistungsfähige Rechner, die Funktionen zentral ausführen. Das reduziert Komplexität, Kabelgewicht und kann OTA sowie Diagnose vereinfachen. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Software-Qualität, Security und Redundanz. Für Nutzer zeigt sich der Vorteil langfristig durch schnellere Updates, konsistentere UX und potenziell höhere Feature-Stabilität.